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Let’s talk about sex! Zeitgeschichte und Sexualitäten: „Ist ja keine Schande mehr, heutzutage, wo es sogar einen Kolle gibt.“ Sextourismus, Sexotisierung und sexuelle Befreiung in den 1970er und 1980er Jahren

Prof. Dr. Ulrike Schaper

Moderation: PD Dr. Yvonne Robel

Der Sextourismus in Ländern des Globalen Südens entwickelte sich etwa zeitgleich mit einer politisch aufgeladenen Diskussion zur sexuellen Befreiung. Während der Ausbau eines Massenferntourismus in der Bundesrepublik ab Mitte der 1960er Jahre einsetzte, beförderten sexualpolitische Diskussionen im Umfeld der Studierendenbewegung und der Neuen Linken seit Ende der 1960er Jahre die Aufladung sexueller Befreiung als zentralen Weg gesellschaftlicher Transformation. Sie verstärkten längerfristige Entwicklungen einer Auflösung restriktiver sozialer und rechtlicher Normen und einer Pluralisierung von Moralvorstellungen, sexuellen Einstellungen und Praktiken. Der Vortrag lotet die Berührungspunkte zwischen diesen beiden Entwicklungen aus. Er zeigt, dass sie nicht nur parallel auftraten, sondern sich immer wieder überschnitten und aufeinander bezogen wurden. Dabei geht es nicht nur um teils überraschende Bezugnahmen sextouristischer Rechtfertigungen zu sexualpolitischen Bewegungen. Vor allem wird illustriert, wie stark sich Verheißungen von sexueller Befreiung mit rassifizierenden und sexotisierenden Imaginationen der Reiseziele verbanden, wie sich antibürgerliche Kritik an christlich-westlicher Sexualmoral mit Zivilisationskritik vermischte und welche Begrenzungen und blinde Flecken die Diskussionen um die sexuelle Befreiung kennzeichnete.

Vortragsreihe:

Sexualitäten sind eingebunden in die Geschlechter- und Gesellschaftsordnungen ihrer Zeit. In diesen wurden und werden sie verhandelt, gelebt und bewertet, aber auch verboten und verfolgt. Sechs Referent:innen gehen in der Veranstaltungsreihe den zeitgeschichtlichen Konstruktionen und Aushandlungen von Sexualitäten auf den Grund. Wie wurden Sexualitäten politisiert und in welche Machtbeziehungen waren sie eingebunden? Wer bestimmte, was als ‚gesund‘, was als ‚abnormal‘ galt, was gewollt und begehrt sein sollte? An welchen Orten wurden Sexualitäten angeeignet, ermöglicht oder verhindert? Und: Wie kann eigentlich eine Geschichte der Sexualitäten geschrieben werden?

Die Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg lädt Sie herzlich ein, diese und weitere Fragen mit den Vortragenden zu diskutieren.

Wann: Donnerstags, 18:30-20:00 Uhr, 20.04.2023- 13.07.2023
Wo: Forschungsstelle für Zeitgeschichte, Beim Schlump 83, Lesesaal

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