Lehraufträge

Die hochschulübergreifende Gemeinsame Kommission für Frauenstudien, Frauen- und Geschlechterforschung, Gender und Queer Studies (GK) vergibt in jedem Semester Lehraufträge, die das reguläre Lehrangebot der Hochschulen im Bereich Gender und Diversity ergänzen.

Hier finden Sie die Ausschreibung für das Sommersemester 2022.

Detailaufnahme einer modernen Hausfassade

Wintersemester 2021/2022

Geschlecht im Recht: Juristisch nicht zu lösen?

mit Laura Jacobs

Laura Jacobs ist Juristin und schreibt an ihrer Dissertation zu zivilem Ungehorsam. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Grundlagen des Rechts an der Bucerius Law School und Stipendiatin der Hans-Böckler-Stiftung. Zu ihren Forschungsinteressen gehören Legal Gender Studies, materialistische Rechtstheorie und Rechtsdidaktik. Sie ist Mitbegründerin des Blogs staat-sex-amen.de

 

Das Recht gehört zu den grundlegenden Strukturmerkmalen der Gesellschaft. Es regelt beinahe den gesamten Alltag inkl. höchstpersönlicher und sensibler Lebensbereiche wie Geschlecht, Sexualität, Liebe, Familie, Karriere oder politische Mitbestimmung. Im Kurs wollen wir darüber diskutieren, welche Erwartungen das Recht dabei an Körperlichkeit und Begehren stellt. Während das Recht für die einen ein Garant für Gleichstellung ist, halten andere es für ein Instrument des Patriarchats. Wieder andere sehen das Recht als Terrain sozialer Kämpfe. Zentrales Anliegen des Kurses ist die Kenntnis eigener (subjektiver) Rechte und die Fähigkeit, diese zu mobilisieren.

Zu Beginn jeder Sitzung erarbeiten wir uns eine gemeinsame Diskussionsgrundlage. Ausgangspunkt kann ein Text(ausschnitt), ein Video(ausschnitt) oder ein Kurzvortrag sein.  Der Kurs bezieht wissenschaftliche Quellen und Gerichtsentscheidungen ebenso wie popkulturelle Zeugnisse mit ein. Alle Sitzungen sind so strukturiert, dass ausreichend Zeit für Diskussion und Austausch besteht.

Der Kurs ist offen für alle Interessierten – mit oder ohne juristische Vorkenntnisse.

Termin: Mittwochs, 14-16 Uhr (ab dem 13.10.21, digital)

Die Anmeldung zu dieser Veranstaltung erfolgt über den Veranstaltungskalender des ZGD: https://zgd-hamburg.de/aktuelles/veranstaltungenskalender/

Suchen Sie den entsprechenden Eintrag für den 01.10.2021. Die Anmeldephase beginnt am 01.09.2021 (First come, first served-Prinzip)

Intersektionalität an der Diskursverschiebung um Flucht/Migration

mit Simone Borgstede, PhD.

Simone Beate Borgstede ist Soziologin und Historikerin. Sie organisiert Seminare zu Feminismus in postkolonialer Perspektive und Rassismus im Kontext von Flucht/Migration. Schwerpunkte ihrer Forschung sind Rassismus und soziale Bewegungen. Insbesondere interessiert sie sich dafür wie wir Rassismus, Sexismus und Klassismus und ihre Überschneidungen alltäglich überwinden können.

Simone lebt seit 39 Jahren in der St. Pauli Hafenstr. Sie wehrt sich mit anderen Nachbar:innen gegen die rassistischen Kontrollen in ihrer Nachbarschaft und engagiert sich zusammen mit geflüchteten und migrantischen Frauen für gegenseitigen Respekt und gleiche Rechte für alle.

 

In diesem Seminar geht es um das Verständnis von Intersektionalität und Diversity. Beide Konzepte sind aus Diskussionen feministischer Theorie nicht mehr wegzudenken. Dabei wird Intersektionalität eher als Analyse-Konzept miteinander verflochtener sozialer Ungleichheiten, die zu diversen Ausgrenzungsmechanismen führen, betrachtet, während Diversity eher als anwendungsbezogen gilt (z.B. als Diversity-Management) und deshalb auch als herrschaftserhaltend in die Kritik gerät. Durch eine Vermittlung und kritische Diskussion der Theoriegeschichte soll der Einstieg in Möglichkeiten der Anwendung auf aktuelle Entwicklungen und Diskurse aufgezeigt werden.

Exemplarisch wird Intersektionalität an der Diskursverschiebung um Flucht/Migration nach der Kölner Silvesternacht 2015/16 diskutiert, in der der Willkommensdiskurs durch einen Kriminalisierungs- und Abschiebungsdiskurs abgelöst wurde – vermittelt über eine Sexismuskritik, die den Sexismus ‚den Anderen’/Muslimen/Geflüchteten zuschreibt und im Kern rassistische Stereotype wie das des Schwarzen Vergewaltigers transportiert. Die Opfer sexualisierter Gewalt wurden durchgängig als weiß und deutsch imaginiert – sexuelle Übergriffe auf geflüchtete Frauen in den Massenunterkünften wurden nicht zum Thema.

Die Gedichte von May Ayim und Semra Ertan geben gute Einstiegsmöglichkeiten in die Diskussion der Entwicklung antirassistischer Initiativen von Kanak Attack bis zur Black Lives Matter Bewegung. Weitere aktuelle Entwicklungen werden durchgängig in den Textdiskussionen nach Interesse der Studierenden analysiert.

Das Seminar ist als Lektürekurs angelegt. Die Seminardiskussionen werden eingeführt durch Referate der Teilnehmenden, die durch die Lehrende unterstützt werden. Es geht dabei neben theoretischen Texten auch um Gedichte und Literatur, die mit diesen Konzepten arbeiten. In die Kursdiskussionen werden zusätzlich Bilder, Filmspots, Zeitungsartikel und anderes Material einbezogen. Das Seminar fördert kritisches Lesen und Durchdringen der theoretischen Ansätze und Zuspitzung der Thesen für die Kursdiskussion. Die Studierenden haben die Möglichkeit, eigene Erfahrungen aus ihrem Alltag in Bezug auf Sexismus, Rassismus, Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung, Klassenzugehörigkeit oder z.B. des Alters einzubringen und gemeinsam zu reflektieren und zu theoretisieren. Dabei werden die Konzepte der Intersektionalität und Diversity auf ihre Analysetauglichkeit hin untersucht.

Termin: Donnerstags, 10-12 Uhr (ab dem 14.10.2021, digital)

Die Anmeldung zu dieser Veranstaltung erfolgt über den Veranstaltungskalender des ZGD: https://zgd-hamburg.de/aktuelles/veranstaltungenskalender/

Suchen Sie den entsprechenden Eintrag für den 01.10.2021. Die Anmeldephase beginnt am 01.09.2021 (First come, first served-Prinzip)

Gender und Diversity in der Praxis. Strategien und Fallstricke im institutionellen und politischen Umgang mit Geschlecht und Vielfalt

mit Johanna Elle

Johanna Elle ist promovierende Kulturanthropologin, die in der Hochschulehre sowie in der politischen Bildungsarbeit für QueerSchool e.V. in Hamburg tätig ist. Die Themen zu denen sie forscht und lehrt bewegen sich zwischen Gender, Flucht und Aufnahmepolitiken, Feminismus und Popkultur sowie Anti-Diskriminierung und Diversity. Zuletzt hat sie als Co-Autorin für Pro Asyl einen Schattenbericht „ Zur Umsetzung der Istanbul-Konvention in Bezug auf geflüchtete Frauen und Mädchen in Deutschland“ verfasst: https://www.proasyl.de/news/istanbul-konvention-umsetzen-schutz-vor-gewalt-auch-fuer-gefluechtete-frauen-und-maedchen/

Im Seminar werden wir uns gemeinsam dem institutionellen und politischen Umgang mit Gender und Diversität sowie seinen Fallstricken widmen.

Im ersten Teil des Seminars werden wir Grundlagen zu Gender und Diversity sowie Intersektionalität, Partizipation und Empowerment als analytische Werkzeuge vertiefend kennenlernen. In einem zweiten Schritt wird das Wissen aus dem ersten Teil konkret angewendet: Gemeinsam untersuchen wir anhand aktueller Beispiele, wie in Deutschland mit Geschlecht, Sexualität und Vielfalt umgegangen wird. Mithilfe von konkreten Fällen (beispielsweise der Debatte um gendergerechte Sprache) beschäftigen wir uns u.a. mit folgenden Fragen:

Wie sehen Strategien zu gleichberechtigter Teilhabe und ein sensibler Umgang mit Vielfalt aus? Wie wirken sie sich aus? Welche Rolle spielen Empowerment, Partizipation oder Powersharing hier? Welche Schwierigkeiten und Fallstricke können sich auftun? Was ist z.B. Femonationalismus oder Pink Washing? Welche Rolle spielen intersektionale Sicht- und Handlungsweisen? Wer wird durch spezifische Maßnahmen angesprochen, wer wird sichtbar, wer bekommt einen Zugang zur gesellschaftlichen Teilhabe? Welche Alltagspraktiken, welche aktivistischen Kämpfe finden (keinen) Eingang in institutionelle Strategien?

Termine:

Vorbesprechung: 18.10., 12-14 Uhr, digital

Blockseminar: 06.11. (10-15 Uhr, VMP8 R05); 27.11. (10-15 Uhr, VMP8 R105); 11.12. (10-15 Uhr, VMP8 R05); 15.01. (9:15-17 Uhr, VMP08 R020)

Die Anmeldung zu dieser Veranstaltung erfolgt über den Veranstaltungskalender des ZGD: https://zgd-hamburg.de/aktuelles/veranstaltungenskalender/

Suchen Sie den entsprechenden Eintrag für den 01.10.2021. Die Anmeldephase beginnt am 01.09.2021 (First come, first served-Prinzip).

The Color of Sex

mit Dr. Michaela Wünsch

Michaela Wünsch ist Kulturwissenschaftlerin, Psychoanalytikerin in eigener Praxis und Verlegerin bei b_books in Berlin. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Critical Race Studies, Queer Theory, Psychoanalyse, Medienphilosophie, Serialität und Fernsehen. Zu den jüngsten Publikationen gehören „Differentielle Serialität“, in Fernsehwissenschaft und Serienforschung. Theorie, Geschichte und Gegenwart (post-)televisueller Serialität, hg. v. Dominik Maeder, Denis Newiak, Herbert Schwaab, Springer 2021; „Serialität und Intertextualität“. In: Handbuch Filmtheorie, hg. v. Bernhard Groß, Thomas Morsch. Springer 2021; „Teleanalyse – Medien der Übertragung“, in Übertragungen. Zur Politik der Beziehungen, hg. v. Peter Lenhart, Harald Strauß, Gereon Wulftange, Manuel Zahn, Parodos Verlag 2021.

 

Um die wissenschafts- und kulturgeschichtliche Grundlage zu erarbeiten, auf dessen Hintergrund sich aktuelle Diskussionen um Race, Sex und Gender entfalten, wird im ersten Block den Prozessen nachgegangen, die Körper und Verhaltensweisen, die als „rassisch“, geschlechtlich und sexuell deviant markiert wurden, visuell und epistemologisch fassbar werden ließen. Der zweite Block konzentriert sich auf das Medium Film. Ausgehend von dem hashtag #oscarssowhite und #blacklivesmatter wird die Verwobenheit des US-amerikanischen Films mit Rassismus nachgezeichnet. Beispielhaft am Film „Birth of a Nation“ von 1915, der die Entstehung der US-amerikanischen Nation darzustellen beabsichtigt und dabei Whiteness privilegiert und Schwarze rassistisch abwertet und dem gleichnamigen Film von 2016, der die Geschichte der Sklaverei und den Widerstand dagegen nachzeichnet, werden filmwissenschaftliche Methoden wie Analyse der Narration und Ästhetik mit Rassismuskritik verbunden. In einem nächsten Block werden queere Gegenästhetiken vorgestellt, die die Brüchigkeit der Konstruktionen, wie sie im ersten Teil herausgearbeitet wurden, herausstellen. Auch hier wird die konstitutive Intersektionalität herausgestellt. Im letzten Block soll zum einen die Bedeutung der gesellschaftlichen Kategorien für die eigene Identitätsbildung herausgearbeitet werden und zum anderen die Bedeutung der Identität für die Theorieentwicklung am Beispiel der Psychoanalyse. Entgegen der häufig noch geläufigen Vorstellung, die Psychoanalyse sei männlich und europäisch weiß zentriert, sollen queere, schwarze und jüdische Positionen vorgestellt werden, die Subjekt, Geschlecht, Ethnizität und Sexualität zugleich dekonstruieren und entpathologisieren.

Die Methoden des Seminars sind interdisziplinär angelegt und umfassen Diskursanalyse, Wissenschaftsgeschichte, Filmanalyse, Kunstgeschichte, Kulturwissenschaft, Geschlechterforschung, Critical Race Studies und Psychoanalyse. Neben der Vermittlung von Theorieentwicklungen soll anhand aktueller Filmbeispiele und politischer Debatten die Verschränkung von Theorie und Praxis aufgezeigt werden. Der erste und letzte Block wird online unterrichtet, wegen des visuellen Materials wird eine intensive Wochenendphase(n) stattfinden. Die Studierenden sollten gute Englischkenntnisse besitzen.

Termine:

Vorbesprechung: 14.10., 15-17 Uhr

Blockseminar: 30.10. (10-18 Uhr); 20.11. (12-18 Uhr, VMP8 R020); 18.12. (10-18 Uhr)

Die Anmeldung zu dieser Veranstaltung erfolgt über den Veranstaltungskalender des ZGD: https://zgd-hamburg.de/aktuelles/veranstaltungenskalender/

Suchen Sie den entsprechenden Eintrag für den 01.10.2021. Die Anmeldephase beginnt am 01.09.2021 (First come, first served-Prinzip).

Aktuelle Ansätze und Debatten der Genderforschung und Intersektionalität im Rahmen von Friedensförderungsprozessen

mit Dr. Rosario Figari Layús

 

Kooperation mit dem Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH) / Studiengang Peace and Security Studies (MA):

Das Seminar beschäftigt sich mit den aktuellen Ansätzen und Debatten der Genderforschung und Intersektionalität im Kontext von Konfliktdynamiken und Friedensförderungsprozessen. Dafür werden die grundlegenden Konzepte von Gender und Intersektionalität im Rahmen der Friedens- und Konfliktforschung aus einer sozialwissenschaftlichen Perspektive dargestellt. Außerdem wird sich in diesem Seminar mit den wichtigsten internationalen Rechtsinstrumenten zur Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt sowie zur Inklusion von Frauen in Entscheidungsprozesse der Friedensförderung auseinandergesetzt. Das Seminar bietet aus einer intersektionalen Perspektive eine Analyse der geschlechtsspezifischen Gewalt in Konfliktzeiten sowie des Umgangs mit ihren Folgen und Erklärungsmustern in Post- Konflikt-Kontexten. So wird sich zeigen, dass bestimmte Formen geschlechtsspezifischer Gewalt stark kritisiert und in die Öffentlichkeit gebracht werden, andere aber unsichtbar bleiben, naturalisiert und sogar von großen Teilen der Bevölkerung legitimiert werden. Während des gesamten Kurses werden konkrete Fallstudien analysiert, um Bandbreite, Kluft und Widersprüche zwischen dem Kampf, den Errungenschaften und Erfolgen der Frauenbewegung hinsichtlich internationaler Normen einerseits und den Herausforderungen ihrer effektiven Umsetzung in Friedens- und Kriegszeiten andererseits zu veranschaulichen. Hierbei stellen sich eine Reihe von Fragen: Welche Rolle spielen Gender und Intersektionalität bei der Ausübung von Gewalt in bewaffneten Konflikten? Wie werden diese Gewalt und ihre Opfer in den sozialen Stereotypen von Frauen und Männern in bewaffneten Konflikten repräsentiert? Welche Rollen und Partizipationsansätze von bzw. für Frauen in friedensfördernden Kontexten gibt es? Welche Genderperspektiven beinhalten Mechanismen der Transitional Justice, um mit den Folgen von geschlechtsspezifischer Gewalt nach Diktaturen und bewaffneten Konflikten umzugehen? Beinhalten die Transitional-Justice-Instrumente bei ihre Suche nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung ausreichend intersektionale Perspektiven?

Blockseminar Sat 30.10 (10.00-18.00), Sat 20.11 (14.00-18.00), Sun 21.11 (14.00-18.00)

Die Anmeldung für diesen Lehrauftrag erfolgt über das Portal des IFSH: https://webpss.ifsh.de/register/346587344

Registrieren Sie sich dort mit Benutzungsnamen und Kennwort. Nach Login gelangen Sie auf die Seite „Personendaten bearbeiten“. Relevant ist der Menüpunkt “Lehrveranstaltungen belegen.“

Anmeldephase: 14.09.2021 bis 05.10.2021

Detailaufnahme einer modernen Hausfassade

Sommersemester 2021

Ressentiments. Interdisziplinäre sozialwissenschaftliche Forschungen zu Antisemitismus, Rassismus & autoritärer Politik

mit Florian Hessel

Florian Hessel ist Sozialwissenschaftler und lebt in Hamburg. Schwerpunkte von Forschung, Lehre und Publikation liegen in den Bereichen Politische Psychologie, Wissenschaftssoziologie und kritische Gesellschaftstheorie. Er unterrichtet als Lehrbeauftragter Sozialtheorie und Sozialpsychologie, u.a. an der Ruhr-Universität Bochum, und ist als freier Referent und wissenschaftlicher Berater in der politischen Bildung und Antisemitismusprävention tätig. Er ist Gründungsmitglied von Bagrut e.V. Verein zur Förderung demokratischen Bewusstseins.

Weiteres zu Biografie und Publikationen: https://www.sowi.rub.de/soztheo/team/hessel.html.de

 

 

 

Im Seminar werden Formen rassistisch, antisemitisch, antifeministisch und anders legitimierter Gewalt gegen Menschen in Wort und Tat thematisiert.

Ressentiments und Vorurteile gehören zu den Grundbeständen moderner, diverser und heterogener Gesellschaften und zu ihren aktuellsten und drängendsten Problemen: Sie legitimieren Ablehnung, Diskriminierung, Ausgrenzung – Gewalt in Wort und Tat. Angetrieben insbesondere durch die von Rassismus, Antisemitismus und autoritärer Politik ausgehende Gewalt, bemühen sich Sozialwissenschaftler*innen seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit verschiedensten empirischen und theoretischen Ansätzen um ein differenziertes Verständnis dieser Phänomene: Sind Ressentiments in erster Linie gesellschaftlich oder psychologisch begründet? Beziehen sie sich vor allem auf bestimmte Gruppen bzw. Gruppenkonflikte oder sind sie kognitiv strukturiert?

Anhand wichtiger Ansätze und Studien der Soziologie und der Sozialpsychologie, der Geschichtswissenschaft, der Psychoanalyse und der empirischen Sozialforschung wird das Seminar in die Entstehung, Entwicklung und Verschränkung, die (politische) Funktion und mögliche Formen insbesondere von Rassismus, Antisemitismus und Antifeminismus sowie in deren wissenschaftliche Erforschung und pädagogische Prävention einführen.

Literatur (weitere wird im Seminar bekanntgegeben):

Institut für Sozialforschung (1956/1974). Vorurteil. In Soziologische Exkurse. Nach Vorträgen und Diskussionen (3. Auflage, S. 151–161). Frankfurt am Main/Köln: Europäische Verlagsanstalt.

Digitale Vorbesprechung: Do, 15.04., 16 Uhr ct.

Termine: Fr, 28.05.; Sa, 29.05.; Fr, 18.06.; Sa, 19.06. jeweils Fr, 12-18 Uhr und Sa, 11-18 Uhr.

Die Anmeldung zu dieser Veranstaltung erfolgt über den Veranstaltungskalender des ZGD: https://zgd-hamburg.de/aktuelles/veranstaltungenskalender/

Suchen Sie den entsprechenden Eintrag für den 31.03.2021. Die Anmeldefrist ist am 30.03.2021.

Intersektionalität und Diversity: Herrschaftskritische Konzepte zur Analyse sozialer Ungleichheitsverhältnisse

mit Robel Afeworki Abay

Robel Afeworki Abay positioniert sich als afro-deutscher und queer-feministischer Aktivist. Zurzeit promoviert er am Institut für Rehabilitationswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin. Zuvor studierte er Soziologie und Politikwissenschaften an der Addis Ababa University, Äthiopien und Cardiff University, Wales, UK sowie Soziale Arbeit an der Universität Kassel. Seit einigen Jahren beschäftigt er sich wissenschaftlich und politisch-aktivistisch mit den Themen Rassismus- und Herrschaftskritik; Intersektionalitäts- und Diversitätsforschung; Postkoloniale und Dekoloniale Perspektiven; Diskriminierungssensible Bildungsarbeit; Partizipative Forschung sowie Community, Ableism und Disability Studies. Kontakt: robel.abay@hu-berlin.de, https://www.zfib.org/de/beteiligte

Im Mittelpunkt des Seminars steht die These, dass eine intersektionalitätstheoretische Perspektive sich als besonders geeignet erweist, eine gewinnbringende Diskussion über den Umgang mit Differenz, Ungleichheit und Diversität in der Dominanzgesellschaft zu eröffnen. Ausgehend von einer kritisch-reflexiven und herrschaftskritischen Thematisierung von diskursiv hervorgebrachten und institutionalisierten Differenz- und Ungleichheitsverhältnissen werden folgende Themenkomplexe während des Seminars bearbeitet:

1. Diversity: Zum einen werden die fehlende Anerkennung und Wertschätzung gesellschaftlicher Vielfalt in einer kapitalistisch organisierten Dominanzgesellschaft und die damit einhergehenden erschwerten politischen, sozialen und ökonomischen Teilhabe- und Verwirklichungschancen von Black, Indigenous and People of Color (BIPoC), behinderten und queeren Communities kritisch hinterfragt, und

2. Intersectionality: Zum anderen werden wir uns mit den vielfältigen intersektionalen Identitäten, Zugehörigkeiten und Lebensrealitäten sowie mit symbolischen und politischen Repräsentationen marginalisierter Gruppen befassen. Anhand dieser theoretischen Auseinandersetzung mit Perspektiven auf Gesellschaft und Institutionen wie z.B. Soziale Arbeit oder Schule wird danach gefragt, welche Herausforderungen die fortbestehenden heteronormativen Strukturen insbesondere für marginalisierte Gruppen wie BIPoC mit Behinderungserfahrungen darstellen, die durch rassistische Zuschreibungen als ,,Migrationsandere“ und ableistisch codierte Differenz als ,,behindert“ konstruiert werden.

Termine: unregelmäßig Donnerstags, 13-17 Uhr, 08.04.; 22.04.; 13.05.; 27.05.; 10.06.; 08.07.; 15.07.

Die Anmeldung zu dieser Veranstaltung erfolgt über den Veranstaltungskalender des ZGD: https://zgd-hamburg.de/aktuelles/veranstaltungenskalender/

Suchen Sie den entsprechenden Eintrag für den 31.03.2021. Die Anmeldefrist ist am 30.03.2021.

Weißsein im Fokus. Die Macht weißer (Frauen)

mit Dagmar Weber

Welche Rolle spielen weiße Menschen individuell und strukturell in unserer rassistisch strukturierten Gesellschaft? In welcher Hinsicht kämpfen weiße Frauen darum, als Individuum wahrgenommen zu werden? Was beschreibt die Trope des privilegierten Typs einer „typischen Karen“? Wie kann Situationen aus intersektionaler Perspektive begegnet werden, in denen unterschiedliche Diskriminierungsformen zusammenwirken? Wie können Solidaritäten im Kampf gegen Unterdrückung intersektional gestaltet werden? Mit diesen und weiteren Fragen wollen wir uns im Seminar beschäftigen.

Mit diesem Seminar soll ein Einblick in die Wirkungsweisen, Privilegien und Funktionen von weißsein gegeben werden. Weißsein und weiße Privilegien werden in Rassismusforschung, politischer Bildung und der Debatte um gesellschaftliche rassistische Verhältnisse zunehmend thematisiert. Der gesellschaftliche und politische Diskurs genauso wie die Betrachtung des weißen Feminismus machen deutlich, dass weißsein insbesondere aus intersektional-feministischer Perspektive der differenzierenden Aufmerksamkeit bedarf. 

Im Seminar werden wir ausgehend von einem Perspektivwechsel nicht Rassismus und die Konstruktion der sog. „Anderen“, sondern weißsein als Täterschaftsstruktur und das weiße Individuum als (unbewusst) rassistisch handelnd fokussieren. Es werden Kontroll- und Herrschaftsfunktionen analysiert, die im weißsein hergestellt werden. Hierdurch wird weißsein als rassistische und machtvolle Struktur in den Fokus gestellt. Weiter werden wir aus postkolonialer, intersektionaler Perspektive konkrete Fallbeispiele, aktuelle Diskurse und Themenkomplexe diskutieren, in denen unterschiedliche Diskriminierungsformen zusammenkommen. Ebenfalls werden Fragen nach gelingenden Solidaritäten diskutiert. 

Ziel des Seminares ist es, (Selbst-)Reflexion und interaktiven Austausch im Kontext feministischer Auseinandersetzungen anzuregen und Impulse zum kritischen Hinterfragen gesellschaftlicher Machtstrukturen, Privilegien und tagesaktueller Debatten sowie mehrheitsgesellschaftlicher Narrative zu geben.

Termin: wöchentlich Freitags 10-12 Uhr, ab dem 09.04.

Die Anmeldung zu dieser Veranstaltung erfolgt über den Veranstaltungskalender des ZGD: https://zgd-hamburg.de/aktuelles/veranstaltungenskalender/

Suchen Sie den entsprechenden Eintrag für den 31.03.2021. Die Anmeldefrist ist am 30.03.2021.

Dekonstruktive Körperpraktiken in der zeitgenössischen Kunst

mit Tonia Andresen und Marlene Mannsfeld

Tonia Andresen ist Kunstwissenschaftlerin und schreibt an ihrer Dissertation zu globaler Arbeit in der zeitgenössischen Kunst. Aktuell ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin der internationalen Forschungsgruppe „SVAC – Sexual Violence in Armed Conflict“ der Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur. Zu ihren Themenschwerpunkten gehören zeitgenössische künstlerische Praxen, die globalen Ungleichheiten, Arbeitsverhältnisse sowie Geschlecht und die damit zusammenhängenden Zuschreibungen thematisieren. 2018 hat sie in Zusammenarbeit mit Marlene Mannsfeld die Veranstaltungsreihe „Inter_Sections: Mapping queer*feminist art practices“, zu der auch ein Sammelband erschienen ist (2019), organisiert. 2019 kuratierte sie ebenfalls in Zusammenarbeit mit Marlene Mannsfeld die Ausstellung „Finding comfort in Materiality“ an der HFBK in Hamburg.

Marlene Mannsfeld ist Kunsthistorikerin, ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf zeitgenössischer Kunst in Verknüpfung mit feministischen, queeren und postkolonialen Theorien. In ihrer Abschlussarbeit im Masterstudiengang Kunstgeschichte an der Universität Hamburg analysiert sie Prothesen und Körpernormen in der zeitgenössischen Kunst unter Einbeziehung der Disability Studies. Sie organisiert Kunstprojekte, darunter gemeinsam mit Tonia Andresen die Reihe Inter_Sections. Mapping queer*feminist art practices und die Ausstellung PAT PAT PAT. finding comfort in materiality. Zuvor Bachelorstudium der Kunstgeschichte und Islamwissenschaft in Kiel und Graz sowie Berufstätigkeit in den Bereichen Marketing, Öffentlichkeitsarbeit und Administration in touristischen Unternehmen und im Kulturbereich.

Im Seminar wird anhand unterschiedlicher Theorien (Queer Theory, Disability Studies) verdeutlicht, dass es sich beim Körper um ein soziales/kulturelles Phänomen handelt, in dem sich auf spezifische Art und Weisen Machtstrukturen materialisieren. Disziplinierungen, die mit Subjektivierungsprozessen einhergehen, erfolgen immer im und durch den Körper. Anschließend werden Vorschläge zum Aufbrechen dieser hegemonialen Machttechniken gemacht und Wege aus Exklusionsprozessen aufgezeigt. Die künstlerischen Beispiele verhandeln dabei, wie Normalitätsvorstellungen und Normierungsweisen des Körpers ästhetisch gebrochen, widerständig angeeignet und produktiv gemacht werden können. Das Heranziehen von Kunstwerken ermöglicht es, Theorien anhand konkreter Beispiele zu diskutieren. Wie ist es um die Relation von Text und zu analysierendem Kunstgeschehen bestellt? Inwiefern alteriert die künstlerische Produktion theoretische Zugänge und/oder erweitert diese? Welche Körpernarrative werden verhandelt und welche bleiben vielleicht auch unsichtbar? [Wie] Lässt sich ein Körper fernab von Zu- und Einschreibungen denken? Das Seminar spannt dabei einen Bogen von feministischen Auseinandersetzungen seit den 1960er Jahre bis hin zu queeren, cyberfeministischen, postpornographischen und crip-aktivistischen Praxen. Ziel ist, den Seminarteilnehmer*innen einen Überblick über die Debatten zu ermöglichen und mithilfe der Erweiterung um künstlerische Beispiele konkrete Ansätze und subversive Gegenstrategien zur Diskussion zu stellen.

Teilnahmebedingungen: keine Vorkenntnisse erforderlich; Bereitschaft zur Übernahme eines Referats und der Lektüre teils auch englischsprachiger Texte

Termin: wöchentlich Donnerstags, 14-16 Uhr, ab dem 08.04.

Die Anmeldung zu dieser Veranstaltung erfolgt über den Veranstaltungskalender des ZGD: https://zgd-hamburg.de/aktuelles/veranstaltungenskalender/

Suchen Sie den entsprechenden Eintrag für den 31.03.2021. Die Anmeldefrist ist am 30.03.2021.